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Broschüre - Die Geschichte von unten schreiben

Einleitung:

 

Die Geschichte der Gesellschaften ist kein Museumsraum, in dem Ausstellungsstücke der Vergangenheit präsentiert werden, sie ist niemals neutral und endet nicht mit einem abgeschlossenen Rundgang. Wer heute die Deutung der Vergangenheit beherrscht, richtet damit zugleich die Grundpfeiler für die Entwicklungen der Zukunft aus. In diesem Jahr, dem "Geschichtsjahr 2017", spielt der Blick in die Vergangenheit eine besondere Rolle. Das gilt für diejenigen, die sie in Medien, Schulen und Unis präsentieren, ebenso wie für uns, die antreten, um eine grundlegende Veränderung der Gesellschaft voranzutreiben: Vor genau 100 Jahren stürzte die Oktoberrevolution das russische Zarenhaus und brach mit der gesamten kapitalistischen Ordnung, um eine sozialistische Gesellschaft aufzubauen, vor 40 Jahren starben die RevolutionärInnen Gudrun Ensslin, Jan-Carl Raspe und Andreas Baader in der Stammheimer JVA. Zusammen mit anderen Ereignissen, wie etwa den Morden an Benno Ohnesorg und Che Guevara vor genau 50 Jahren, laufen diese bedeutenden Momente Gefahr, von den Mühlen des bürgerlichen Antikommunismus zu düsteren Kriminalgeschichten zermahlen zu werden.

 

"Moderne Geschichtsarbeit" zur Oktoberrevolution liest sich zum Beispiel so: "Ihr totalitärer Anspruch mobilisierte rund um den Globus Millionen und entwickelte sich zum Albtraum für Abermillionen[...]".1 Der Austritt des revolutionären Russlands aus einem der grausamsten Kriege der Menschheitsgeschichte und die Errichtung einer umfassenden Rätedemokratie scheinen in dieser reißerischen Ankündigung einer staatlich finanzierten Ausstellung zur Sowjetunion nicht erwähnenswert zu sein. In ähnlichem Ton werden ehemalige RAF-AktivistInnen in der bürgerlichen Presse regelmäßig zu gewissenlosen MörderInnen gemacht. Unter dem Titel "Sie schweigen über ihre Taten - wie ihre Väter"2 werden sie in einem exemplarischen Beitrag der Tagesschau aus dem Jahr 2012 mit den Nazis gleichgesetzt, weil sie den Gerichten und der Polizei auch nach jahrelangen Haftstrafen nicht bei der Verfolgung von ehemaligen AktivistInnen behilflich waren. Auch hier: Kein Wort über die Hintergründe von militanten Aktionen, über weltweite Befreiungskämpfe in den Jahrzehnten des bewaffneten Kampfes in Europa und über eine BRD-Gesellschaft, in der damals noch immer Kontinuitäten des deutschen Faschismus fortlebten, die bis heute nie eine konsequente Aufarbeitung der faschistischen Herrschaft erlebt hat.

 

Die russische Revolution und der bewaffnete Kampf in Deutschland und Europa von den 60er bis in die 80er Jahre sind nicht nur zu bedeutungsvoll und folgenreich für die weltweite Entwicklung linker Bewegungen, um sie sensationslüsternen JournalistInnen und den intellektuellen PredigerInnen der kapitalistischen Ausbeutung zu überlassen - sie sind Teil unserer Geschichte. Der Geschichte derjenigen, die der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen ein Ende setzen wollen. Einer Geschichte, die wir selbst schreiben müssen, aus der wir zu lernen haben, die uns Verantwortung und ein reichhaltiges Erbe überträgt.

 

Wir möchten die runden Jahrestage 2017 nutzen, um aus revolutionärer Perspektive einen Teil zur Auseinandersetzung mit der Oktoberrevolution und dem Kampf der Roten Armee Fraktion beizutragen. Uns ist bewusst, dass eine erfolgreiche sozialistische Revolution auf der einen und der bewaffnete Kampf einer Minderheit im Herzen des Imperialismus auf der anderen Seite nicht einfach nebeneinander gestellt werden können. Aus beiden Erfahrungen müssen auf ganz verschiedenen Ebenen Lehren gezogen werden. Mit dieser Veröffentlichung möchten wir dennoch beide Themenfelder anschneiden, um uns die reichhaltige Bedeutung vergangener revolutionärer Versuche vor Augen zu halten. Friedrich Engels hat einmal geschrieben "Sind wir einmal geschlagen, so haben wir nichts anderes zu tun, als wieder von vorn anzufangen!". In diesem Sinne verstehen wir uns in der Tradition vieler hoffnungsvoller revolutionärer Neuanfänge, die heute unser unabdingbares Gepäck im Kampf für eine kommunistische Gesellschaft sind.

 

Broschüre als PDF zum Download

 

1Deutsches Historisches Museum, Berlin: Zitiert wird hier aus dem Ankündigungstext (2017) für die Wanderausstellung „Der Kommunismus in seinem Zeitalter“, gefördert von der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur.

 

2Tagesschau-Interview: RAF-Kenner Stefan Aust zum Prozessausgang. „Sie schweigen über ihre Taten - wie ihre Väter"(Stand: 03.12.2015), zu finden unter http://www.tagesschau.de/inland/becker174.html

 

 

 

 

 

Meldungen

Aktionen gegen den Tag der Bundeswehr

Am 09. Juni fand an 16 Standorten in Deutschland der Tag der Bundeswehr statt. In mehreren Städten gab es Antikriegsaktionen gegen diese Propagandaveranstaltung. In Mannheim beteiligte sich das OTKM Stuttgart an Protesten vor Ort. Bericht und Bilder

 

Roter Teppich für Rechte

Etwa 350 Menschen folgten am 12. Mai 2018 dem Aufruf vom Bündnis "Stuttgart gegen Rechts" und beteiligten sich an einer Kundgebung mit anschließenden Protesten in Stuttgart-Feuerbach. Anlass unserer Mobilisierung war die kurzfristig anberaumte Kundgebung der AfD-Jugendorganisation (JA) am Wilhelm-Geiger-Platz gegen den geplanten DITIB-Moscheeneubau im Feuerbacher Industriegebiet. Bericht

 

Video Nachtrag zur Aktion gegen die faschistische Pseudogewerkschaft "Zentrum Automobil"

Hier noch ein Video-Nachtrag zu einer Aktion Anfang März. Nach den Betriebsratswahlen in Untertürkheim wurde in der Nacht auf den 7. März der Sitz des Vereins „Zentrum Automobil“ in Stuttgart – Untertürkeim mit Farbbeuteln und Parolen markiert. Zum Video

 

Solidarität mit Efrîn – Reflexion unserer Praxis

Die Initiative Kurdistan-Solidarität hat eine Reflexion zu den lokalen und bundesweiten Solidaritäsaktionen der letzten Wochen verfasst. Weiter

 

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